KARPACZ & RÜBEZAHL: LEICA 28MM IN DEN BERGEN VON POLEN
Karpacz, Riesengebirge, Karkonosze, Leica Q3, 28mm, Rübezahl, Liczyrzepa, Museum, Reisefotografie, Polen, Sven Schomburg

Inhalt

Leica 28mm in den Bergen von Polen: Ankunft in Karpacz

Vor 18 Jahren war ich das letzte Mal in Karpacz, am Fuß der Karkonosze, dem polnischen Riesengebirge, damals noch allein mit meiner Frau. Letzte Woche waren wir wieder da, diesmal zu dritt mit unserer Tochter. Uns war es wichtig, ihr Polen ein Stück näherzubringen, schließlich ist es auch ein Teil ihrer Heimat. Und ich war mit noch mal ganz anderen Augen unterwegs, den Augen eines Fotografen.

Noch kurz vorab: In dieser Artikelserie zeige ich bewusst keine Bilder von meiner Tochter und meiner Frau. Ich bitte um euer Verständnis dafür, das ist mir einfach wichtig. Dafür gibt es umso mehr von den Bergen, der Stadt und dem einen oder anderen Museum.

Karpacz, Riesengebirge, Karkonosze, Leica Q3, 28mm, Rübezahl, Liczyrzepa, Museum, Reisefotografie, Polen, Sven Schomburg

Ein Spaziergang durch Karpacz

Wir hatten uns ein Zimmer gemietet, mitten im Ort, mit Blick auf die Hänge. Bevor es in die Berge ging, haben wir uns erst mal Zeit für die Stadt selbst genommen. Karpacz zieht sich lang und schmal durchs Tal, Holzhäuser neben Souvenirläden, kleine Cafés neben Ständen mit geräuchertem Käse. Ich bin mit der Leica durch die Gassen gelaufen, ohne festen Plan, einfach geschaut, was sich zeigt. Genau so entstehen für mich die schönsten Bilder auf Reisen.

Karpacz, Riesengebirge, Karkonosze, Leica Q3, 28mm, Rübezahl, Liczyrzepa, Museum, Reisefotografie, Polen, Sven Schomburg
Karpacz, Riesengebirge, Karkonosze, Leica Q3, 28mm, Rübezahl, Liczyrzepa, Museum, Reisefotografie, Polen, Sven Schomburg
Karpacz, Riesengebirge, Karkonosze, Leica Q3, 28mm, Rübezahl, Liczyrzepa, Museum, Reisefotografie, Polen, Sven Schomburg

Karkonoskie Tajemnice, das Museum des Berggeists

Etwas abseits vom Zentrum sind wir in die Karkonoskie Tajemnice gegangen, eine unterirdische, multimediale Ausstellung, die ganz dem Geist der Berge gewidmet ist. Seit 2011 kann man hier mit Licht, Klang und Duft in die alten Sagen der Karkonosze eintauchen. Ausgezeichnet wurde die Ausstellung sogar als eines der sieben Weltwunder Polens, gekürt vom National Geographic Traveler. Für mich als Fotograf war es fast ungewohnt, in einem Museum zu sein, in dem nicht das Bild im Vordergrund steht, sondern Licht, Ton und Atmosphäre. Aber genau das hat mich beeindruckt.

Karpacz, Riesengebirge, Karkonosze, Leica Q3, 28mm, Rübezahl, Liczyrzepa, Museum, Reisefotografie, Polen, Sven Schomburg
Karpacz, Riesengebirge, Karkonosze, Leica Q3, 28mm, Rübezahl, Liczyrzepa, Museum, Reisefotografie, Polen, Sven Schomburg
Karpacz, Riesengebirge, Karkonosze, Leica Q3, 28mm, Rübezahl, Liczyrzepa, Museum, Reisefotografie, Polen, Sven Schomburg

Rübezahl, der an jeder Ecke wartet

Wer durch Karpacz läuft, kommt an ihm nicht vorbei: Rübezahl, der Berggeist der Karkonosze. Auf Polnisch heißt er Liczyrzepa, auf Tschechisch Krakonoš, und er taucht hier wirklich an jeder Ecke auf, als Statue, auf Schildern, in Restaurantnamen. Die Sage um ihn reicht weit zurück und verbindet Deutschland, Polen und Tschechien über eine gemeinsame Figur, mal gutmütig, mal launisch, immer eng mit den Bergen verwoben. Wie stark diese Gestalt bis heute den Ort prägt, hat mich richtig überrascht. Man merkt: Die Karkonosze haben ihre eigene Mythologie, und Karpacz lebt sie sichtbar.

Karpacz, Riesengebirge, Karkonosze, Leica Q3, 28mm, Rübezahl, Liczyrzepa, Museum, Reisefotografie, Polen, Sven Schomburg

Karpacz vor 18 Jahren

Damals waren wir nur kurz zu Besuch, und gesehen haben wir eigentlich nur die Schneekoppe. Der Rest der Zeit hatte einen anderen Grund. Emilia hatte an einem Straßenstand Oscypek probiert, den typischen geräucherten Bergkäse aus dieser Region. Der Käse bekam ihr gar nicht gut, und so verbrachten wir einen Großteil unserer Zeit im Hotelzimmer statt in den Bergen.

Heute kann ich darüber schmunzeln. Damals war mir nicht danach. Aber genau solche Geschichten gehören für mich zu einer Reise dazu, genauso wie die schönen Momente. Vielleicht ist es auch das, was mich an Karpacz jetzt so berührt hat: dass wir diesmal die Zeit hatten, den Ort und die Stadt wirklich zu erleben.

Die Kirche mitten in Karpacz

An der Hauptstraße von Karpacz, der ulica 3 Maja, steht eine Kirche aus grob behauenem Granit, ganz im Tiroler Stil gebaut, mit einem hohen Steinturm, der von einem neugotischen Helm gekrönt wird. 1908 fertiggestellt, gehörte sie ursprünglich der evangelisch augsburgischen Gemeinde, die den Bau selbst finanziert hatte, mit dabei sogar Kaiser Wilhelm der 1. als Spender. Die Turmuhr stiftete Prinzessin Charlotte von Sachsen Meiningen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, als die nördlichen Hänge der Karkonosze polnisch wurden, wurde die im Krieg beschädigte Kirche katholisch, 1951 wieder aufgebaut und dem Heiligsten Herzen Jesu geweiht. 1966 kam ein Altar aus Sandstein dazu, zur Erinnerung an 1000 Jahre polnische Taufe. Eine Gedenktafel erinnert an Pfarrer Jerzy Popiełuszko, der hier am 5. Juni 1972 seine Primiz feierte, seine erste Messe als geweihter Priester.

Innen hat mich besonders die bemalte Kassettendecke berührt, mit den Pflanzenmotiven, und wie die Szenen aus dem Evangelium mit der Landschaft der Karkonosze verwoben sind. Ein Ort, der viel Geschichte in sich trägt, mitten im Trubel der Stadt.

Karpacz, Riesengebirge, Karkonosze, Leica Q3, 28mm, Rübezahl, Liczyrzepa, Museum, Reisefotografie, Polen, Sven Schomburg
Karpacz, Riesengebirge, Karkonosze, Leica Q3, 28mm, Rübezahl, Liczyrzepa, Museum, Reisefotografie, Polen, Sven Schomburg
Karpacz, Riesengebirge, Karkonosze, Leica Q3, 28mm, Rübezahl, Liczyrzepa, Museum, Reisefotografie, Polen, Sven Schomburg

Eine Kamera, ein Blick

Für diese Reise hatte ich mich bewusst leicht gepackt. Die Leica Q3 mit fester 28mm Brennweite war mein ständiger Begleiter, fast an jedem Tag. Dazu hatte ich noch die Sony A7R5 mit einem Voigtländer 40mm 1.2 dabei, ein wirklich schönes Stück Glas. Aber schon nach den ersten Tagen war klar: Ich will nicht zwei Systeme durch die Berge schleppen. Also blieb die Sony fast die ganze Zeit in der Unterkunft. Nur für den Ausflug zum Damm an der Lomnica hab ich sie mitgenommen, weil ich dort gezielt mit dem 40mm arbeiten wollte. Der Rest der Reise ist mit der Leica und dem 28mm entstanden.

Genau das ist auch die Idee hinter dieser Artikelserie. Ein Blick, eine Brennweite, ein ganzes Land. 28mm zwingt dich dazu, näher ranzugehen, dich einzulassen auf das, was vor dir ist, statt dich hinter einem Zoom zu verstecken.

Karpacz, Riesengebirge, Karkonosze, Leica Q3, 28mm, Rübezahl, Liczyrzepa, Museum, Reisefotografie, Polen, Sven Schomburg

Fotografie ist mehr als mein Beruf

Auch im Urlaub hab ich die Kamera nicht weggelegt. Für mich ist Fotografie kein Job, den ich abends ausziehe wie ein Hemd. Sie ist Teil meines Lebens, ob ich gerade für ein Unternehmen in Hamburg unterwegs bin oder mit meiner Familie in den polnischen Bergen stehe und auf die Schneekoppe schaue. Der Blick bleibt derselbe, die Neugier bleibt dieselbe. Nur der Anlass ändert sich.

Und dann ging es Richtung Schneekoppe

Nach diesen ersten Tagen in Karpacz haben wir uns auf den Weg gemacht, hinauf zur Schneekoppe, dem höchsten Berg der Karkonosze. Was uns dort oben erwartet hat, und wie sich das mit dem Blick von vor achtzehn Jahren vergleicht, erzähle ich euch in einem eigenen Artikel.

Ganz liebe Grüße
Sven

Mehr
Beiträge