Schneekoppe: Leica 28mm Q3 auf dem Weg zum Gipfel
Nach den Tagen in Karpacz ging es weiter, hinauf zur Schneekoppe, dem höchsten Berg der Karkonosze. Schon vor 18 Jahren waren wir hier oben, aber unter ganz anderen Bedingungen. Diesmal war ich mit der Leica Q3 und der festen 28mm Brennweite unterwegs, so wie auf der ganzen Reise. Und zum Glück hatte ich nur die Leica dabei, denn mit dem zusätzlichen Gewicht der Sony wäre der Aufstieg noch mal ein ganzes Stück anstrengender geworden.
Der Aufstieg
Vor 18 Jahren war der Anstieg ein anderer, weil auch das Wetter ein anderes war. Dieses Mal hatten wir in unserer viertägigen Zeit in Karpacz nur wenig Sonnenschein, den Großteil der Tage hat es geregnet. Auch der Aufstieg zur Schneekoppe stand ganz im Zeichen dieses Wetters.
Unten im Tal, an der Talstation der Seilbahn, hatten wir noch einigermaßen gutes Wetter. Man hatte uns vorher schon gesagt, dass es oben auf der Schneekoppe nur 7 Grad haben würde, also hatten wir warme Kleidung im Gepäck. Zu Fuß braucht man von Karpacz aus insgesamt etwa 5 Stunden bis nach oben. Wir haben uns einen Teil der Strecke mit der Seilbahn gespart, etwa 3 Stunden, und sind den Rest gelaufen.
Oben angekommen, mit Blick auf die Schneekoppe und die dunklen Wolken, war uns schon klar, dass dieser Aufstieg ein ganz anderer werden würde als vor 18 Jahren.
Die Kapelle und die Wetterstation
Oben auf dem polnischen Gipfel stehen zwei Gebäude, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Die Kaplica św. Wawrzyńca, 1681 von Graf Schaffgotsch erbaut, ist das älteste Bauwerk auf der Schneekoppe, eine kleine Rotunde mitten im Fels. Direkt daneben die Wetterstation von 1974, die wegen ihrer Form im Volksmund UFO genannt wird.
Genau in dieser Kapelle hat übrigens Pfarrer Jerzy Popiełuszko einen Gottesdienst gehalten, einen Tag nachdem er in der Kirche unten in Karpacz seine erste Messe gefeiert hatte. Zwei Orte dieser Serie, durch eine Geschichte verbunden.
Zwischen zwei Ländern
Auf der tschechischen Seite des Gipfels steht ein Postamt, ein kurioser Kontrast zur rauen Bergkulisse. Der Sessellift von der tschechischen Seite endet kurz unterhalb des Gipfels, Talstation ist Pec pod Sněžkou. Wir sind zu Fuß und mit der Seilbahn von der polnischen Seite hoch, und genau dieser Weg gehört für mich zur Geschichte dazu.
Keine klare Sicht, aber viel gesehen
Bei diesem Wetter hatte man von oben keine klare Sicht nach draußen. Viele würden jetzt sagen, dann hat man ja nichts gesehen. Ich sehe das anders. Ich habe oben auf der Schneekoppe viel mehr gesehen, als es an einem klaren Tag möglich gewesen wäre.
Die Karkonosze waren schon lange vor uns da, und sie werden auch noch da sein, wenn von uns längst nichts mehr übrig ist. Genau das habe ich oben gespürt, in diesem Nebel aus Regen, in dieser fast geisterhaften Sicht. Es war nicht die Sicht, die man sich für ein Gipfelfoto wünscht, aber sie hat mir trotzdem einiges gezeigt. Sie hat mir gezeigt, wie klein wir eigentlich sind, wenn die Natur einfach macht, was sie will, ganz ohne Rücksicht auf unsere Pläne.
Ich habe gesehen, dass die Natur über uns steht. Eine ganze Geisterwelt hat sich für mich dort oben aufgetan, und genau das spiegeln die Fotos wider, die an diesem Tag entstanden sind. Wie meine Frau sagen würde: ein Magic Moment.
Eine Brennweite für den ganzen Aufstieg
Genau wie in Karpacz war die Leica Q3 mit ihrem 28mm mein einziger Begleiter, hinauf und wieder hinunter. Kein Objektivwechsel, kein zusätzliches Gewicht, keine Tasche voller Optionen. Nur eine Kamera, ein Blick, die ganze Zeit.
Auf dem Rückweg hat sich das Licht noch mal verändert, der Regen wurde weniger, aber der Nebel blieb. Auch für den Abstieg war die 28mm genau richtig, nah genug an Felsen und Wegen, aber weit genug, um die Weite der Karkonosze mit einzufangen. Am Ende war es genau diese eine Brennweite, die den ganzen Tag getragen hat, den Aufstieg und den Abstieg.
Ganz viel Grüsse
Sven
Kleiner Zusatz, humorvoll:
Ganz ehrlich, so ein Aufstieg dauert seine Zeit, und irgendwann meldet sich der Hunger. Ein Snickers im Rucksack hat sich als goldrichtig erwiesen, denn man weiß ja nie, wann einen unterwegs die Diva im eigenen Bauch überkommt.


